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| Prost! |
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| Man kann der CSU vieles vorwerfen, eines jedoch nicht:
Daß sie unoriginell sei. Im Ge-genteil ist sie die wohl einzigartigste
unter den deutschen Großparteien. Die mit den ausgefallensten Wesens-
und Winkelzügen, den schrägsten Konzepten und wildesten Vorstel-lungen
davon, wer wann wo wie Politik ma-chen sollte. Von den »Großkopferten«,
wie das »kriegerische Bergvolk zufüßen der Alpen«
(Lexikoneintrag) seine Volksvertreter seit Franz-Josef Strauss zu schimpfen
pflegt, haben die meisten in jahrzehntelangem Hin- und Hertandlern zwischen
Piding und Pöcking ge-lernt, was dieses Politik machen heißt.
Es heißt zunächst einmal auftreten. Auftreten und Schlagzeilen
machen. Treten und Schlagen schürt Angst. Angst essen bekanntlich
Seele auf. Ohne Seele kein Herz, ohne Herz kein Verstand!
Die Rechnung geht seit Mitte der 50er auf, und schwer ist ersichtlich, warum es sich dieses Jahr anders verhalten sollte: Die Maschine läuft auf vollen Touren in Richtung Wahlsieg und absolute Mehrheit. Gauweilers dumpfe und skandalöse Kommentare zur Wehrmachtsaus-tellung, Blettschachers Käseschachtelfabrik, Flicks Kurbäder, die fehlgeschlagene Senats-reform, schleierhafte Einzelwege bezüglich einer gesetzlichen Regelung von Schwanger-schaftsabbrüchen, die Niederlage im Kruzifix-streit... Gauweilers Forderung, Aids-Infizierte in Quarantäne zu stecken ist alt. Macht nichts: Stoiber rief erst kürzlich zu Geschlossenheit im Wahlkampf auf und benützte die noch ältere Formel: »Die Reihen dicht geschlossen«. Die Strategie der christlich-sozialen Konservati-ven ist stets dieselbe: Angst machen - vor un-kontrollierbaren Zuwanderungsströmen und Überfremdung, dem Aussterben der bürgerlichen Ehe- und Familiengemeinschaft, dem Verfall von Traditionen und Werten – um sich dann als einzige Schutzmacht des status quo darzustellen. Just jene Partei, die sich gerne mit dem Attribut fortschrittlich schmückt, ist die erklärte Feindin neuer Lebensformen und Gesellschaftskonzepte. Lediglich dann, wenn es wirtschaftlich erklecklich scheint, verpuffen die Bedenken zu genmanipulierten Luftblasen. Konservative Politik hat bei uns von jeher einen unvergleichlichen Anstrich. In Bayern gehen die Uhren nicht andersherum, sie sind längst stehengeblieben. Wie macht diese Partei das Unmögliche – Wahlen grundsätzlich nicht mehr zu verlieren – so unmöglich normal? Mit noch unmöglich mehr Politik machen: Hans Zehetmair, Kultus-minister Bayerns, des Bundeslandes mit dem geringsten Frauenanteil an gehobenen Wissen-schaftskarrieren, lobte einen Habilitationspreis aus und nannte ihn »Hans-Zehetmair-Preis«. Nach eigenen Worten solle er bevorzugt Frau-en zukommen. Das verwundert. Schließlich ist sein Preis nach ihm benannt, Vorname Hans aber läßt männliches Geschlecht vermuten. Von den Parteistrategen darf noch manches creative Leckerli
erwartet werden: Das neue Bayern-Stadion soll nicht den Namen tragen unseres
Kaisers Franz. Es wird die Erwin-Huber-Kampfarena. Das Residenztheater
heißt fortan Theater an der Staatskanzlei. Das Seehaus Seehof, das
Arena Amigo. Wir verleihen die Peter-Gauweiler-Solidaritätsmedaille,
mit Prädikat »Besonders Beckstein«. Das BMW-Testgelände
am Flughafen Franz-Josef Strauss (1. Sic! 2. Benannt nach jenem, der Flugbenzin
noch billiger machen wollte! 3. Sic!) wird`s Otto-Wiesheu-Motodrom.
Alexander Ochs
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